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F I K A – Diese vier Buchstaben sind der schwedische Schlüssel zum Glück

Obwohl unsere Reise nach New York schon ein Jahr zurückliegt sind unsere Erinnerungen an diesen Urlaub noch immer sehr lebendig. Nachdem wir in dieser riesigen Metropole gelandet sind, haben wir uns auf die Spuren des Kaffees begeben. Jeder kennt dieses Bild aus Filmen oder Fotos von New York: Menschen laufen mit Coffee-To-Go-Bechern in der Hand eilig durch die Straßen der Stadt. Aber trinken sie ihren Kaffee immer auf diese Weise? Wie sieht zum Beispiel ihre Kaffeepause (‚fika‚) auf Arbeit aus? Das wollten wir während unserer Reise nach New York selbst herausfinden.

Uncle Mike´s Cafe in New York, Little Italy (2015)

Uncle Mike´s Cafe in New York, Little Italy (2015)

Das solltet ihr unbedingt über die schwedische Kaffeepause wissen

Bevor wir einen Vergleich anstellen haben wir eine Frage: Was denkt ihr? Haben kurze Kaffeepausen einen Einfluss darauf, ob man seine Arbeit liebt oder hasst? Die Schweden sagen ‚ja‘ und zeigen warum.

Das Wort fika wird als Substantiv (die Kaffeepause) aber auch als Verb (‚vill du fika?‘) verwendet. Beide Formen stammen vom schwedischen Wort für Kaffee ‚kaffe‘ ab, nur die Buchstaben sind anders gemischt.

Eine kleine Kaffeepause in New York

Eine kleine Kaffeepause in New York

Anders als in den USA nutzt man die Kaffeepause in Schweden, um für einen Moment von allen arbeitsrelevanten Angelegenheiten abzuschalten. Die erste Kaffeepause findet in der schwedischen Arbeitswelt um 10 Uhr morgens statt, die zweite gegen 15 Uhr am Nachmittag. Diese Pause nutzt man nicht wie beispielsweise in Deutschland, um mehrere Dinge zu erledigen, wie kurz zur Apotheke zu gehen oder die Spülmaschine in der Teeküche auszuräumen. Es werden auch nicht wie in den USA kurze betriebliche Besprechungen durchgeführt. In Schweden ist es ein Moment der Entspannung und der lockeren Unterhaltung mit seinen Arbeitskollegen. Hier, wo die Mitarbeiter im weltweiten Vergleich angeblich am wenigsten gestresst sind, sind die vier Buchstaben F I K A der Schlüssel zum Glück.

Die schwedische Kaffeepause ist die Lösung für unsere neue Arbeitswelt

Das schönste an einer Fika ist, dass jeder integriert wird. Während dieses gesellschaftlichen Rituals muss man nicht unbedingt Kaffee trinken; Fika ist einfach eine Möglichkeit eine Pause einzulegen und kurz abzuschalten.

„Es ist ein Moment um eine Pause zu machen; oft mit einer Tasse Kaffee in der Hand, manchmal auch eine Tasse Tee, und dazu ein leckeres Gebäck“, erklärt Anna Brones, Mitautorin des Buches „Fika: The Art of The Swedish Coffee Break“ (2015).

„In der amerikanischen Kultur in der die Kaffeepause meist darin besteht, in irgendeiner Form Koffein zu sich zu nehmen, egal ob im Papp- oder im Plastikbecher to go, besteht der Sinn nur darin, den Becher ’schnell zu füllen und weiter zu rennen‘.

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Das schönste Bild im Büro.

In Schweden waren wir schon oft, unsere Reisen führen uns auch aus familiären Gründen regelmäßig in das skandinavische Land. Deshalb wissen wir auch genau wovon wir reden und kennen den Unterschied zwischen einer Fika und Kaffeepausen in anderen Ländern. In Schweden verlangt tagsüber nicht nur der Körper sondern auch die Seele nach diesem festen Ritual, nach diesem Moment der Ruhe, in dem alles um dich herum stehen bleibt und du einfach nur genießen kannst“, schrieb Brones in „Apartment Therapy“.

Anna Brones glaubt, dass wir viel davon lernen können. „In unserer heutigen modernen Welt sehnen wir uns nach einer Kaffeepause. Wir suchen nach einer Ausrede um eine kurze Bremse einzulegen.“

In Großbritannien trinkt man Tee, in Spanien, Südamerika und auf den Philippinen gibt es die ‚merienda‘. Kein anderes Volk dieser Welt zelebriert diese physische Wiederaufladung mitten am Tag so absichtlich und regelmäßig wie die Schweden.

Die Fika-Mentalität auf Arbeit

„Durch zwei oder drei Fika am Tag sind wir produktiver und geschäftstüchtiger“, meint Lars Åkerlund, der seine eigene schwedische Cafe-Kette in New York betreibt und seine Firma nach dem schwedischen Ritual benannt hat.

Der schwedische Unternehmer erklärt, dass er zusammen mit seiner Frau die Entscheidung getroffen hat, die schwedische Tradition nach Amerika zu exportieren. Die Idee dazu kam ihnen während einer Reise nach New York, als sie merkten, dass die Leute hier nie zur Ruhe kommen: „Jeder hat es eilig, nimmt seinen Kaffee und geht weiter – kein Abschalten und keine kurze Entspannung. Da habe ich gedacht, der ‚fika-Moment‚ könnte ein großer Erfolg hier werden“, sagte Åkerlund während einer Veranstaltung Anfang März 2016 in New York.

FIKA - die schwedische Cafe-Kette in New York (2015)

FIKA – die schwedische Cafe-Kette in New York (2015)

2010 fand man in der Grant Thornton Studie heraus, dass schwedische Arbeitnehmer im weltweiten Vergleich am wenigsten gestresst sind. Das könnte auch daran liegen, dass die schwedischen Firmen bereits ein Experiment in die Tat umgesetzt haben: nämlich den Arbeitstag auf 6 Stunden zu verkürzen und die fika zur Pflicht zu machen. Auch wenn nur 1% aller schwedischen Arbeitnehmer Überstunden auf Arbeit machen, sind sie laut OECD Better Life Index nicht weniger produktiv als andere.

Frau Prof. Viveka Adelsward von der Universität Linköping hat die gesellschaftlichen Rituale aus Schweden untersucht. Sie behauptet, Pausen wie ‚fika‚ können die Produktivität auf Arbeit sogar steigern. „Studien haben gezeigt, dass Menschen, die während ihrer Arbeitszeit häufig Pausen einlegen, nicht weniger schaffen als andere. Genau das Gegenteil ist sogar der Fall: Die Leistungsfähigkeit auf Arbeit wird durch diese geselligen Zusammenkünften unter Kollegen noch erhöht“, schreibt sie auf ihrem Uniblog.

Welche Wirkungen hat die Kaffeepause auf deinen Arbeitsleistungen

Was man in schwedischen Büros und Unternehmen merkt ist auf jeden Fall die Wirksamkeit dieser kleinen Pausen. Unser erster Eindruck, den wir damals in Schweden hatten, war, dass die Schweden sehr entspannt sind auf Arbeit. Was wir von ihnen gelernt haben ist wie man zwischen Entspannung und Fokussierung immer wieder hin- und her wechseln kann.

Das konnten wir in New York leider nicht sehen. Der amerikanische Mitarbeiter ist der Meinung, dass man mehr arbeiten muss um eine erfolgreichere Karriere zu haben. Umso mehr Erfolg man hat, desto glücklicher ist man. Das Glück lässt sich aber so nicht erreichen.

Andere Experten behaupten, dass diese Kaffeepausen unter den Kollegen alle Hindernisse in einem Unternehmen beseitigen können. Die Leute treffen sich, tauschen sich aus und plaudern darüber, was in der Firma los ist. Während der ‚fika lösen sich die Hierarchien auf: Alle treffen sich unabhängig von ihrem Einfluss oder ihrer Position im Unternehmen. In diesen Momenten fühlen sich die Kollegen frei und sie bieten ihnen vielleicht sogar die Gelegenheit, sich für etwas zu entschuldigen, was während des Tages nicht gut gelaufen ist. Fika ist eine gute Gelegenheit, im Team ein bisschen Dampf abzulassen.

Vielmehr ist die Fika eine Möglichkeit die Kreativität zu fördern. Jeder hat die Chance sich von den Gedanken an die Arbeit zu befreien und sich neue Inspirationen zu holen.

New York ist riesig, quirlig und laut. Doch auch dort gibt es eine kleine Ruheoase – „FIKA“ genannt – und wir haben sie gesehen!

Wenn euch der Beitrag gefallen hat, dann lasst euch auch weiterhin von uns inspirieren. Wo habt ihr die schönsten Kaffeepausen erlebt?

Quelle: http://qz.com/636682/this-four-letter-word-is-the-swedish-key-to-happiness-at-work/

2 thoughts on “F I K A – Diese vier Buchstaben sind der schwedische Schlüssel zum Glück”

  1. Annette says:

    „Das könnte auch daran liegen, dass die schwedischen Firmen bereits ein Experiment in die Tat umgesetzt haben: nämlich den Arbeitstag auf 6 Stunden zu verkürzen und die fika zur Pflicht zu machen.“

    Ich weiss nicht, wo dieses Geruecht herkommt, aber ich kenne hier in Schweden keine einzige Firma, in der nur 6 Stunden am Tag gearbeitet wird. Vielmehr ist hier auch eine 40 Stundenwoche normal!

    1. Carmen says:

      Hallo Annette,

      das stimmt. Es ist ein sehr frisches Experiment, welches die Schwede nur begrenzt in die Tat umgesetzt haben, nämlich in der Behörden und Ämter. Werden dann die Schweden am Ende noch glücklicher? Wird das Experiment auch von der privaten Unternehmen angenommen?

      Wir werden sehen 🙂

      Liebe Grüße aus Leipzig!

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